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System-Kolleg 1. Vorbemerkungen: Begriff des SystemsUniversitätsbibliothek HeidelbergNachlass Heinrich RickertSignatur: Heid. Hs. 2740 II C - 73

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System-Kolleg 1. Vorbemerkungen: Begriff des SystemsUniversitätsbibliothek Heidelberg ; Nachlass Heinrich Rickert

Signatur: Heid. Hs. 2740 II C - 73; 1-49


Heidelberg [ermittelt], o.D. [1918/19?]. - Umschl. mit 48 Bl., überw. masch., mit zahlr. hs. Korrekturen und Ergänzungen (Pag. 1-15, 16/112, 113-117, 118/119, 120-130, 131/14, 15-28), Deutsch. - Vorlesung, Vorlesungsmanuskript

Benutzbar - Verfügbar, am Standort.

Inhaltsangabe: Erstes Kapitel: "Begriff und Aufgabe der Philosophie." Zunächst Einführung in die Vorlesung "System der Philosophie". Das "System" ist für R. ein "streng geordneter, nach bestimmten Prinzipien einheitlich gegliederter Zusammenhang des philosophischen Denkens", der der "objektiven Ordnung der Welt" entsprechen soll. Verweis auf nicht näher bestimmte frühere Publikationen zum selben Thema im "Logos" und den "Kantstudien". Anschließend Darstellung "antisystematischer Tendenzen", beginnend mit der "aphoristischen" Philosophie Nietzsches. Kritik an der stark spezialisierten "Universitätsphilosophie" seiner Zeit, die unter "systematisch" nur "nicht-geschichtlich" verstehe; sie legitimiere ihre antisystematische Ausrichtung über die "Unendlichkeit der Welt", der ein System nicht gerecht werde. R. geht ebenfalls von der "Unerschöpflichkeit" der Welt aus, hält jedoch den systematischen und universalistischen Anspruch der Philosophie für notwendig. Abgrenzung von monistischer Systematik Platons, stattdessen Ideal eines "unsystematischen Systems". Ein solches System soll nicht abstrakt sein, sondern konkrete "Gebiete des Lebens" miteinbeziehen. In diesem Zusammenhang führt R. einen weitreichenden Begriff von "Erotik" ein, der mehr als nur die "Geschlechtsliebe" umfassen soll. R. versteht unter "Erotik" einen vernachlässigten "Teil der Philosophie", der wichtige Probleme enthalte.Anschließend Problematisierung des Begriffs der "Philosophie" und der Bestimmung ihres Gegenstandes. "Das Ganze und die Teile." Die Einzelwissenschaften beschäftigen sich mit "Teilen" des "Ganzen", die Philosophie soll sich auf das "Ganze" selbst richten, das mehr als nur die Summe seiner Teile ist. "Das Ganze" oder "die Welt" entziehen sich einer klaren Definition. Daher sei es "für alle Zeiten gültige" Aufgabe der Philosophie, ihren Gegenstand zu bestimmen, also das "Weltproblem" zu lösen. Ziel soll die "Totalerkenntnis" der Welt, die "Weltanschauung" sein. Sie soll theoretische und praktische Probleme, "Weltweisheit" und "Lebensweisheit", in sich vereinen. Die systematische "Weltanschauung" richtet sich dann gegen "Skeptizismus" und "Nihilismus". "Zeit und Ewigkeit." Bestimmung des Verhältnisses von "System" und "Zeit" an Hegel anknüpfend. Bezug auf Hegels Antrittsrede ein Jahrhundert zuvor; R. stellt sich hier in einen engen Bezug zur Heidelberger Tradition der Philosophie, grenzt sich jedoch von der vorherrschenden historischen Methode zugunsten seines systematischen Ansatzes ab. In der Systematik fühlt er sich Hegel verbunden, den er als den "größten Philosoph, den Heidelberg gehabt hat", bezeichnet. Zugleich klare Distanzierung vom "Hegelianismus". Für R. soll das System das Ganze anstreben, "das das Zeitlose, Ewige mit umfaßt". "Widerspruch und Lösung." Trotz der Überwindung der Zeit im System soll die Philosophie die Gegenwart nicht vernachlässigen; "Philosophie darf als System weder in der Zeit aufgehen, noch sich nur dem zeitlosen Ewigen zuwenden." Dies werde über den "Begriff" erzielt, der außerhalb der Zeit stehe.

In: System der Philosophie [Titel entspr. Vorlesungsverz. der Univ. Heidelberg 1916/17] [Vorlesung]

Bemerkung: Hs. Vermerk auf Bl. 1 (Pag. nach R.): "Winter 1916/17 zum ersten Mal"; bezieht sich an anderer Stelle (Bl. 19) auf Hegels Heidelberger Antrittsrede, "die er hier vor 100 Jahren gehalten hat" (1816). Außerdem Verweis auf die "schwere Not" des Krieges und die Hoffnung auf Frieden. Da in Heid. Hs. 2740 II C - 81 zwei ältere (Teil-)Fassungen des Textes vorliegen, die auch zahlr. Überarbeitungen enthalten, liegt die Vermutung nahe, dass der vorlieg. Text erst aus der Vorlesung von 1918/19 stammt.

Objekteigenschaften: Handschrift

Pfad: Nachlass Heinrich Rickert / Nachlass Heinrich Rickert II. Werk / Nachlass Heinrich Rickert II. Werk C / System der Philosophie [Titel entspr. Vorlesungsverz. der Univ. Heidelberg 1916/17]

[Standort: Handschriftenabteilung ; Heid. Hs. 2740/70 (Frühere Signatur)]

DE-611-HS-2944848, http://kalliope-verbund.info/DE-611-HS-2944848

Erfassung: 4. Dezember 2015 ; Modifikation: 13. März 2017 ; Synchronisierungsdatum: 2019-02-02T17:12:33+01:00